Hegering DGFDer Hegering „Das Große Freie“ wurde im Jagdjahr 2002/2003 50 Jahre alt. Während dieser Zeit hat sich vieles verändert. Die Region wurde zunehmend urbanisiert, verbunden mit einem immer stärker werdenden Freizeitdruck in die immer weniger werdende Natur. So kann sich der Hegering nicht nur als die kleinste Selbstverwaltungseinheit der Landesjägerschaft sehen, sondern er ist zunehmend gefordert, den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen, um dieser den Wert des Erhaltes der Natur, verbunden mit der dafür Notwendigkeit des Jagens näher zu bringen. So etwas beginnt mit Ferienpass-Aktionen mit Schulkindern, die auch uns Jägern viel Freude gemacht haben, wenn wir zum Beispiel mit Kindern einen Frühansitz gemacht und hinterher in einer Jagdhütte gefrühstückt haben, bis hin zum Auftreten der Jagdhornbläser bei öffentlichen Veranstaltungen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist es auch gut, dass die meisten Revierinhaber ortsansässig sind und damit häufig auch in andere Gemeinschaften der Ortschaften integriert sind. Es gibt eine Reihe von Pächtern, die es schon in mehreren Generationen sind. In manchen Revieren sind die Pächter – so nenne ich es – sehr „jagdsozial“, das heißt zum Beispiel, dass Jäger im Ort, die nicht Mitpächter sind, „automatisch“ zu Gesellschaftsjagden eingeladen werden, ja irgendwie dazugehören. Verbindend ist auch das Revier „Altwarmbüchener Moor“, in welchem Jäger aus vielen Orten des Hegeringes die Möglichkeit des Jagens haben. Dieses ist eine unserem Hegering verbindende Besonderheit.

Der Hegering wurde im Jahre 1952 gegründet. Zum Geltungsbereich unseres Hegeringes gehören die Reviere Lehrte I und II, Ahlten, Höver, Bilm, Ilten I , Altwarmbüchener Moor, Köthenwald, Sehnde, Haimar, Klein Lobke, Rethmar, Haus Rethmar (Sehnde), Hämelerwald, Hämelerwald – Adolfshof, Hämelerwald – Hohenhameln, Hämelerwald – Mehrum, Hämelerwald – Equort, Hämelerwald – Soßmar, Evern, Dolgen, Hämelerwald – Ohlum.

Zusammen weisen diese Ortschaften/Reviere eine Gesamtjagdfläche von etwa 130 Quadratkilometern auf. Dieses Gebiet wird von ca. 200 Jägerinnen und Jägern gehegt und bejagt. Bei den oben genannten Revieren/Ortschaften handelt es sich überwiegend um Niederwildreviere. Die Bedeutung dieses Begriffs stammt aus der Zeit, als der Hochadel Wildarten wie Hirsch, Auerwild, Stein- und Seeadler bejagte. Alle anderen Wildarten waren für den Hochadel nicht standesgemäß und blieben dem Niederadel vorbehalten. Hier handelte es sich um Wildarten wie zum Beispiel Reh, Hase und Fasan.

Aufgaben und Ziele des Hegerings

Denken wir zunächst an den Lebensraum des Wildes. Es handelt sich in den meisten Bereichen nicht um eine intakte Naturlandschaft sondern um eine klar strukturierte Kulturlandschaft. Auf die hierfür verantwortlichen Faktoren wie z. B. intensive Landwirtschaft, erhöhte Freizeitaktivitäten, Straßenbau, Nutzung alternativer Energien (Windräder) gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein. Viele Wildarten haben sich aus den zuvor genannten, aber auch anderen Gründen bereits gänzlich aus der Natur verabschiedet oder in regional sehr begrenzte Bezirke zurückgezogen. Da der Lebensraum des Wildes nicht mehr auch nur annährend in seiner Urform vorhanden ist, kann das Wild sich nicht selbst regulieren. Ursache hierfür ist das Fehlen bestimmter Arten, die bereits ausgestorben sind. Diesen Umstand versuchen Forstbeamte und Jäger verantwortungsvoll durch intensive Hege- und Jagdbemühungen auszugleichen. Deshalb definieren wir Jäger unser höchstes Ziel wie folgt: „Ziel ist die Erhaltung eines den landschaftlichen Verhältnissen angepassten, artenreichen und gesunden Wildbestandes, sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen.“ Nach den rechtlichen Bestimmungen des Bundesjagdgesetztes haben wir Jäger die Pflicht zur Hege. Hiermit ist unter anderem die Schaffung bestimmter Biotope gemeint. Es werden Feuchtbiotope, Hegehecken sowie andere Anpflanzungen angelegt um den Lebensraum für bereits verdrängte bzw. vorhandene Tier- und Pflanzenarten zu verbessern. Hiermit sind auch Insekten oder Reptilien gemeint. Diese Aktivitäten sind mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden, der gern von unserer Gemeinschaft jedoch getragen wird.

Ablauf der Hegering- bzw. Revieraufgaben

Zum 1. April eines jeden Jahres beginnt ein neues Jagdjahr. Das heißt für die Jäger, aber auch für die Jagdgenossenschaft, dass es wieder einmal an der Zeit ist „Müll zu sammeln“! Sodann bewaffnen wir uns mit Müllsäcken und sammeln den Unrat in der Feldmark und im Wald ein. Auch wir freuen uns über eine saubere Umwelt und Natur. Bestimmte Pflegemaßnahmen an den Bäumen im Wald werden durchgeführt, damit diese ausreichend Platz zum Wachsen haben und nicht krank werden. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sind 80 Prozent aller vorhandenen Eichen krank. Die Anlage von Wildäckern steht vor der Tür, denn auch das Wild freut sich über einen besonderen Leckerbissen bzw. ein wenig Deckung, wo sonst keine ist. Wildfütterungen und andere Reviereinrichtungen werden überprüft und gegebenenfalls repariert, Wildschutzzäune oder Wildwarnreflektoren müssen erneuert werden. Die meisten Wildarten, aber auch andere Tiere bringen jetzt ihre Jungen zur Welt. Dies bedeutet für den Jäger besondere Sorgfaltspflicht im Revier gelten zulassen. Hierzu gehört auch die Überprüfung der Hundehalter auf Einhaltung des Leinenzwangs vom 1.4. bis 15.7. eines jeden Jahres. Sommerzeit ist Ferienzeit und viele Schulkinder melden sich im Rahmen des Ferienpasses für eine Pirsch mit dem Jäger an. Es macht uns immer wieder große Freude, den Kindern etwas zu zeigen, was für sie ganz neu ist. Zum Zeitpunkt des Erntedankfestes fällt dann glücklicherweise auch noch einmal die eine oder andere Rübe oder Runkel vom Anhänger und wird von uns im Wald eingemietet. Ebenso werden Getreideabfälle an bestimmte Stellen ins Revier gebracht. Außer in Notzeiten darf das Wild nicht gefüttert werden. Aber wir freuen uns, wenn das Wild gelegentlich auch in der kalten, etwas hageren Jahreszeit mal eine Kleinigkeit zum Fressen findet. In den einzelnen Revieren werden nun Wildzählungen durchgeführt. Die festgestellte Anzahl des Wildes ist Grundlage für die Entscheidung, ob überhaupt und wenn ja, eine Jagd durchgeführt werden soll. Bestimmte Wildarten müssen jetzt im besonderen Maße stark bejagt werden. Hierzu zählen z.B. die Wildschweine, dessen Anzahl sich in den letzten Jahren mehr als nur verdoppelt hat. Dieses Wild kann einen sogenannten „Wildschaden“ verursachen, das heißt, dass die Wildschweine an frisch bestellten oder noch nicht abgeernteten Feldern großen Schaden an den Feldfrüchten anrichten. Dieser Schaden ist ersatzpflichtig, so dass der Jäger einen Ausgleich an den Agrarökonomen bezahlen muss. Ferner wird das Schwarzwild auf Grund seiner Eigenschaft als Überträger der Schweinepest bejagt.

Wir Jäger wünschen uns nun doch eigentlich einen „strengen“ Winter, denn dieser ist Garant dafür, dass nur das normal- und starkveranlagte Wild, aber auch alle anderen Lebewesen oder Pflanzen eine Chance zum Überleben haben. Das mag für den einen oder anderen Leser etwas hart klingen, aber dies sind die ungeschriebenen Gesetze der Natur. In der dunklen Jahreszeit klingelt jetzt auch wieder öfter das Telefon bei uns Jägern. Die Polizei meldet wieder einmal einen Wildunfall: „Ein Reh ist vor ein Auto gelaufen, es ist noch nicht tot! Bitte kümmern sie sich!“ Also hinein in die Gummistiefel, den Jagdhund ins Auto und jetzt gilt es die Unfallstelle zu finden. Zum Glück, dass wir so gut ausgebildete Jagdhunde haben, denn diese führen den Jäger auch bei völliger Dunkelheit oder sehr widrigen Witterungsverhältnissen zum schwerverletzten Reh. Das todkranke Reh wird nun vom Jagdhund gestellt und anschließend durch uns schnellstmöglich von seinen Leiden erlöst. Ende März / Anfang April findet eine Versammlung statt. Diese ist öffentlich und kann von jedermann besucht werden. Hier wird noch einmal genau überprüft, ob der von der Behörde festgelegte Abschussplan auch tatsächlich eingehalten wurde. Der Winter geht seinem Ende entgegen und unser Jagdjahr auch. Dies war nur auszugsweise ein kleiner Einblick in einen möglichen Revierablauf innerhalb eines Jagdjahres, in welchem nur auf die wesentlichsten Dinge eingegangen wurde.

Hegeringleiter: Hartmut Scholz, Rethmarstraße 7, 31275 Lehrte, Telefon (0 51 32) 22 53